Fortsetzung folgt: und zwar jetzt. Nach meinem Ausflug in das Drachendorf und dem erfolglosen Versuch, gegen eine Gebühr von 60ct die andere Seite der Maas zu erreichen, wage ich heute einen neuen Versuch. Mit ein wenig Kleingeld bewaffnet starte ich heute direkt an der Fähre nach Kessel.
Bei knackigen vier Grad Celsius genieße ich den Fahrtwind auf dem Wasser noch mehr (und ich bin schon dick angezogen). Habe ich bei sommerlichen 24° kürzlich noch den Herbst gesucht, denke ich mir, dass der Herbst jetzt Richtung Winter einfach übersprungen wurde.
Der Ort Kessel hat etwas: kleine, gemütliche Häuschen, viel grün, Gastronomie und z.B. das Kasteel de Keverberg. Ich verbringe hier einige Zeit, aber eigentlich müsste man hier viel mehr Zeit zum Entdecken investieren. Aber mein Ziel ist auch das Laufen, also kommt der Ort auf meine Liste “Seh-ich-mir-gerne-später-an-wenn-ich-jemals-Zeit-habe”.
Ich verlasse den Ort Richtung Norden, um den kleinen Bach “Kwistbeek” im Wald zu finden. Dabei hilft mir eine neue App, die einfach nur Richtung und Entfernung anzeigt. Die sagt mir z.B.: nur noch 7,5km. 7,5km – meine Güte, wenn man nicht weiß, dass es noch so weit ist, lässt sich eigentlich viel leichter laufen. Ich komme am Wald an und halte einfach Luftlinie die Richtung ein. Mitten im Wald beschwert sich mein Handy über einen niedrigen Akkustand. Na toll, was ist das nun wieder? Die Kälte? Oder die neue App? Ich krame aus meinem Rucksack diverse Utensilien heraus, um an den Akkupack zu gelangen. Ich verstaue alles wieder und – nanu, das Ladekabel ist weg! Auch das noch. Ohne Akku mitten im Wald in unbekanntem Gebiet. Durch das Laub und unter den Bäumen entlang versuche ich meinen Weg rückwärts zu verfolgen: und tatsächlich, da liegt das ersehnte Ladekabel im Laub. Akku lädt – still 3,5 km to go. Puh.
Nach einigem Suchen finde ich den gesuchten Kwistbeek und zu meiner Überraschung verläuft ein kleiner Trampelpfad direkt am Ufer. Und der Bach führt mich exakt zu meinem nächsten Ziel Richtung Baarlo. Auf der Karte sieht das immer toll aus, in der Realität klappt es aber nie. Heute aber schon. Wieder eine Überraschung.
Aus der Entfernung sehe ich ein großes Schloß oder eine Kirche, ein Feldweg scheint in diese Richtung zu führen. Wieder einmal laufe ich quer durch das Gelände und stelle fest, dass dieses stattliche Gebäude auf der anderen Seite der Maas liegt. Verdammt, reingefallen. Neben mir verläuft immer noch ein kleiner Bach, eine verrottete Holzbrücke führt mich auf die andere Seite und ich staune nicht schlecht. Ich stehe genau vor dem Fähranleger. Und die Fähre legt auch gerade an. Als einziger Passagier setze ich wieder über zum Klosterdorf Stejl.
Wie auch schon in Kessel verbringe ich hier einige Zeit und notiere auch diesen Ort auf der gleichnamigen Liste. Ich erkunde Klosterbauten, Gärten und Grotten und laufe durch das Wohngebiet schließlich Richtung Ausgangspunkt. Ich nehme die Kompass-App zu Hilfe, die mir abermals motivierende 7 Restkilometer anzeigt.
Kurz vor dem Ziel befinde ich mich abseits der Straße an einem See. Ich denke mir: den umlaufe ich noch. Nach fünf Minuten Matsch und Gestrüpp befinde ich mich in einer dichten Sumpflandschaft und immer noch auf der falschen Seite des Wassers. Da das Wasser nicht enden will und auch kein Überweg erkennbar ist, suche ich einen großen, umgefallenen Baum auf, der sich schräg über das Wasser gelegt hat. Der Stamm ist groß, hat aber einige Verästelungen. Ich tue mich sehr schwer damit das Gleichgewicht zu behalten. Ich krieche schließlich auf allen Vieren über den Stamm, richtige mich wieder auf und springe an das hoffentlich trockene Ufer.
Geschafft! Das war nun wirklich genug Kultur und Abenteuer für heute.
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