Meine Wanderung beginnt in Kiewit, nördlich von Hasselt. Auf der Karte macht mich das Gebiet De Platwijers neugierig: viele kleine Gewässer, durchzogen von schmalen Wegen.
Doch am ersten Teich erwartet mich eine Überraschung. Neben einer Vogelbeobachtungshütte liegt alles trocken. Mit den Nachrichten über das Niedrigwasser im Rhein im Hinterkopf frage ich mich kurz, ob hier vielleicht das ganze Wasser verschwunden ist.
Ein Stück weiter zeigt sich dann doch die erhoffte Wasserlandschaft. Die Platwijers gehören zu De Wijers, dem „Land der 1001 Teiche“ zwischen Hasselt, Zonhoven und Heusden-Zolder. Die Teiche gibt es nicht zufällig: Schon im Mittelalter förderten Klöster hier die Fischzucht, und 1865 begann mit Antoon Bijnens der erste professionelle Fischzüchter.
Die Wege führen im Zickzack zwischen den Teichen hindurch, mal durch hohes Schilf wie durch ein kleines Labyrinth, mal offen mit weitem Blick übers Wasser. Ganz in der Nähe liegt die Vrankenschans, an der ich bei meinem Lauf durchs Vlaams Naturreservaat schon einmal vorbeigekommen bin.
Einige Gewässer sind mit Netzen überspannt, und an mehreren Stellen stehen Angler. Ich vermute, dass manche Teiche zur Fischzucht genutzt werden – und tatsächlich: Bis heute sind hier noch drei Fischzuchten in Betrieb, alle in den Händen der Nachfahren von Bijnens.
Von einem Aussichtsturm aus reicht der Blick weit über die Teiche.
Ein Silberreiher steht reglos im flachen Wasser.
Ein kleiner Abstecher durch den Wald wird unfreiwillig zum Abenteuer. Wo auf der Karte kein Weg eingezeichnet ist, will ich trotzdem ein kurzes Stück überwinden. Dabei unterschätze ich einen Bach: Zweimal lande ich im Wasser, rutsche nach einem Sprung vom Ufer zurück und stehe schließlich bis zu den Knöcheln im Sumpf. Bei dem schönen Wetter nehme ich es gelassen und laufe mich anschließend wieder etwas trocken.
Weiter geht es an einem letzten See vorbei, durch den Wald nach Bolderberg. Auf dem Hügel steht die Kluis, eine Kapelle von 1673 und bis heute ein Wallfahrtsort.
Gleich daneben öffnet sich am Panorama Terlaemen die Heide mit weitem Blick über die Landschaft.
In der Domaine Bovy, einem der Eingänge zu De Wijers, stehen seltsame Skulpturen im Wald. Ein langer Holzsteg führt übers Wasser, daneben ist ein Teich ausgetrocknet und der Boden in Schollen gerissen.
An einem kleinen Streichelzoo schaut mir ein Emu hinterher.
Danach erreiche ich den Albertkanal. Nach den verwinkelten Wegen zwischen den Teichen ist sein schnurgerader Verlauf ein schöner Wechsel: Der Blick reicht weit bis zur nächsten Brücke, meinem nächsten Ziel.
Für eine zusätzliche Runde nehme ich mir diesmal mehr vor, auch wenn ich nicht die ganze Zeit laufe. Auf dem Rückweg komme ich über den Corda Campus. Wo früher Philips produzierte, arbeiten heute rund 5.000 Menschen in etwa 250 Unternehmen. Über dem Gelände steht der alte Wasserturm.
Zum Abschluss nehme ich noch einen schönen Ort mit einem Schloss mit: das Domein Kiewit. Schon im 19. Jahrhundert war es ein Schlossgut, seit 1976 ist es mit Kinderbauernhof für alle geöffnet – in diesem Jahr wird es 50.
Besonders in Erinnerung bleiben mir das Labyrinth aus Wasser und Schilf, der unfreiwillig nasse Abstecher und die Weite am Kanal.
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