Da war wieder dieser Punkt auf der Karte. Bin ich nicht neulich schon einmal daran vorbei gelaufen? Eine alte Fabrik, ein Turm mit Zinnen? Beim Stöbern der Fotos in Google Maps um diesen Punkt herum entdecke ich das verlassende Bergwerk. Die Belgier scheinen wirklich nicht gut darin zu sein, ihre alten Bauwerke zu sanieren, sie zu verkaufen oder sonst irgendwie einem Nutzen zuzuführen. Stattdessen bleiben diese vergessene Monumente der Vergangenheit mitten in kleinen Ortschaften verlassen stehen. So richtig ernsthaft sperrt man diese dann auch nicht ab. Von vorne ein Zaun und ein Schild, von hinten ein paar Bretter, aber eben doch alles offen.
Das verlassene Berkwerk
Ich laufe auf einer Anhöhe neben der Maas und sehe den ungewöhnlichen Turm des Bergwerks durch die Bäume. Wer würde heute noch so eine Fabrikhalle bauen? Ornamente, Rundbögen, Zinnen – für den Förderturm einer Zeche. Ein bauliches Kunstwerk. Der Boden auf dem Weg ist matschig und weich und bietet sehr wenig Halt. Das Gelände liegt unterhalb und ich muss irgendwie den Abhang hinunter gelangen. Ich rutsche ein Stück den Matsch hinunter und versuche mich immer an einem Baum zu fangen. Das gelingt mir auch ganz gut, ist aber wahnsinnig anstrengend. Dann renne ich das letzte Stück hinab und zerre mir dabei den Oberschenkel. Nur noch halbe Kraft voraus.
Der hintere Bereich ist mit einer einer Art Holzwand als Zaun gesäumt, es gibt aber eine Lücke. Der ganze Bereich ist offen: Eingang, Treppen, Hallen. Lediglich die Tunnel sind mit einem Eisengitter versperrt. Die Innenbereiche sind verlassen. Alle beweglichen Teile, Inventar, Maschinen, Leitungen fehlen. Die Fliesen platzen von den Wänden ab, alle Wände sind umfangreich mit Graffitis besprüht.
Auf dem Boden finden sich eingelassene Gleise, auf denen die Loren transportiert werden konnten. In der Mitte befindet sich der Schacht, umgeben von einem Drahtkäfig, Treppen führen sowohl nach oben als auch nach unten ins Dunkel. Ich habe keine Lust herauszufinden, ob die Treppen noch in Ordnung sind und erspare mit den Ausflug in eine andere Etage. Die Fenster sind nur noch verbogene, rostige Rahmen, der Wind pfeifft durch das ganze Gebäude. Ein Blick nach draussen zeigt die Häuser in der unmittelbaren Nachbarschaft, die nun Tür an Tür zu dieser Ruine wohnen.
Seitlich finden sich die Umkleidekabinen und Duschen, das deuten die restlichen weißen Fliesen an den Wänden an. Eigentlich nicht unheimlich, es sei denn, man hat ganze viele Horrorfilme gesehen, die in alten, verfallenen Sanatorien spielen (ich habe einige davon gesehen). Ich erkunde einige der Gänge und stelle mir vor, wie die Arbeiter früher hier einen Großteil des Tages verbracht haben mögen.
Blegny Mine
Das ist auch nicht das einzige Berkwerk bei meinem Lauf heute. Kurz vor Ende der Runde treffe ich noch auf die “Blegny Mine”, ein Unesco Welterbe. Das Bergwerk hier liegt in einem öffentlich begehbaren Park, man kann sehr nah an die Anlagen herantreten. Eintreten kann man freilich nur im Rahmen einer geführten Besichtigung. Ich laufe durch den Park und entdecke die Kohlehalde. Auf dem Rücken der Halde führt ein doppelter Schienenstrang hinauf. Diesem Strang folge ich nach oben und finde dort eine verrostete Lore und eine Art Aufzug, die mich an eine verlassene Achterbahnanlage denken lässt.
Auf der Halde folge ich dem Weg, der leider eine Schleife macht und mich im Kreis führen will. Ich entschließe mich in eine Art Graben den Berg hinunter zu steigen. Das ist mehr Rutschen als Gehen oder Klettern – aber ich komme sehr gut unten an und bin fast am Ende meiner Tour.
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