Man, bin ich aufgeregt. Aber nicht wegen der Strecke, sondern weil mich heute mein neues, fliegendes Auge begleiten wird.
Nachdem ich eine Billig-Drohne an das spanische Meer verloren habe und das Ersatzgerät auch wieder selbstständig wunderliche Flugmanöver durchführte, habe ich tatsächlich ein wenig Geld investiert.
Ich entscheide mich für das Naturschutzgebiet Hoge Kempen in Belgien. Dort gibt es viel Wald, einige Lichtungen und Seen. Ein hoffentlich ideales Testgebiet für meinen neuen Begleiter. Ich verschwinde in die Tiefen des Waldes und mache ich mich auf den Weg. Die erste Lichtung folgt, voller Farne: nicht geeignet. Ich laufe einige Kilometer und gelange an den Rand eines Baggersees. Perfekt!
Ich stelle mich auf eine karg begrünte Ebene und beginne damit mein Zubehör auszupacken. Drohne einschalten, Handy in die Fernbedienung einklinken. Die Drohne verlangt nacht einer Kompasskalibrierung. Na gut, dass ist der allererste Flug überhaupt, das kann schon sein. Also drehe ich das Gerät wie angegeben und zum Dank quittiert es meine Mühe mit “Fehler – bitte erneut kalibrieren”. Ich versuche es einige Male erfolglos. Im Status steht so eine lustige Meldung wie z.B. “Platzieren Sie das Fluggerät an eine andere Position”. Sehr witzig. Ich soll auch auf große Magnetfelder achten. Stehe ich hier auf einer Eisenmine? Das glaube ich kaum, nur ein oller Baggersee.
Ich beschließe eine Anhöhe neben dem Baggersee hinauf zu laufen und es dort erneut zu probieren. Auch dort finde ich eine plane Ebene abseits des Weges. Leider auch hier wieder “starke Magnetfelder”. Was soll das, stehe ich hier auf einem etwa auf einem Klotz Metall? Frustriert packe ich wieder alles ein und laufe erst einmal weiter.
An einem Abhang sehe ich zwei Fußgänger, die in die Tiefe schauen und dann beschließen, dass man dort nicht hinunter kommt. Das, was für die Fußgänger gilt, muss ja für mich nicht auch gelten. So schlimm schaut der Abhang auch gar nicht aus. Los geht’s durch die Büsche und Bäume. Ich komme relativ unversehrt am Fuß an und finde ich mich an einem Radweg mit Aussichtpunkt auf den Baggersee wieder. Es wird Zeit für den nächsten Versuch. Ich stelle das Gerät auf den Boden und erhalte dieses Mal keine Kompassmeldung. Aber was ist das? Ein großes Fenster öffnet sich und weist mich darauf hin, dass ich mich hier in einer Flugverbotszone befinde. Ob das heute noch etwas wird? Natürlich nicht davon zu sprechen, dass meine Billigdrohne solche Dinge wie Flugverbotszonen gar nicht kannte 😉
Ich setzte meine Reise weiter fort und sorge für ein paar Kilometer auf dem Tacho. Auf der Karte mache ich vor mir einen zweiten See aus, dem ich mich seitlich durch sehr dichtes Gebüsch nähere. Nachdem ich auf einem breiten, ausgetretenen Waldweg lande gebe ich dem Flieger (oder mir) eine letzte Chance. Zuvor suche ich etwas im Internet herum und erfahre etwas über Probleme bei Betonplatten, Smartwatches, WLAN und andere digitale Funkstörungen aller Art. Daher schalte ich jetzt alle Funkoptionen aus und rotiere die Drohne mit ausgestrecktem Arm weiter weg von mir.
Ich drehe und schaue auf das Display und drehe und schaue und drehe – endlich, das Gerät ist zufrieden, ich kann es gar nicht fassen.
Mein allererster Flug und ich teste ein paar Einstellung. Das Fluggerät steht in der Luft, als hätte man es dort angeheftet. Jede Bewegung ist butterweich, das Kamerabild exzellent. So habe ich mir das vorgestellt. Ich packe alles wieder ein und folge dem Weg weiter zum See. Der liegt an einer kleinen Anhöhe, die ich natürlich weiter erkunden muss. Es stellt sich heraus, dass es eine altes Zechengelände ist und ich oben auf einem Kohleberg – bzw. auf dem Haufen Abraum der Kohleförderung stehe. Wieder ein idealer Abflugort. Es klappt zwar nicht sofort, aber es klappt. Ich fange die Halde, den See dahinter und den Wald um mich herum ein. Ich fliege einige Manöver und übe etwas. Immerhin ist das erst mein zweiter Flug mit dem Gerät.
Das ist eine tolle Erfahrung heute, ich bin froh, dass es am Ende doch geklappt habt und ich habe dazu über 10km Wald am Stück durchlaufen. Eine tolle Gegend, die ich heute wieder neu entdeckt habe.
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