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Zwischen Kaiserburg und Pegnitz

Schon am Abend vor dem Lauf zieht es mich hinaus in die Altstadt. Die Kuppel der Elisabethkirche leuchtet grün gegen den dunkelblauen Himmel, die Pegnitz spiegelt die Lichter der Häuser. An der Fleischbrücke bleibe ich stehen: Ihr flacher Steinbogen entstand zwischen 1596 und 1598, nach dem Vorbild der Rialtobrücke in Venedig. Über dem Durchgang liegt ein steinerner Ochse, darunter eine lateinische Inschrift. Frei übersetzt: Alles hat einen Anfang und wächst – aber der Ochse, den du hier siehst, war nie ein Kalb.

Am nächsten Morgen ist der Himmel strahlend blau, und ich laufe los. Vom Jakobsplatz mit der Elisabethkirche geht es zum Weißen Turm, einem Torturm der alten Stadtbefestigung. Direkt davor dreht sich das Ehekarussell – nur dass es sich eben nicht dreht. Der Bildhauer Jürgen Weber hat hier ein Gedicht von Hans Sachs über das „bittersüße eheliche Leben“ in Bronze gegossen: die schönen und die weniger schönen Seiten der Ehe, ziemlich drastisch und alles andere als kitschig.

Über die Fußgängerzone erreiche ich St. Lorenz. Die beiden Türme der gotischen Kirche ragen über die Marktstände, und wer nach oben schaut, bekommt fast einen steifen Nacken. Gleich gegenüber steht das Nassauer Haus, ein mittelalterlicher Wohnturm mit Erker und Zinnen.

An der Museumsbrücke öffnet sich der Blick auf das Heilig-Geist-Spital. Der reiche Patrizier Konrad Groß hat es ab 1332 für Alte und Bedürftige gestiftet, später wurde es über die Pegnitz hinweg gebaut. Von 1424 bis 1796 lagen in der Spitalkirche sogar die Reichskleinodien, also Krone und Insignien des Kaisers. Heute ist unten im Spital ein Restaurant.

Gleich daneben liegt ein Schiff auf dem Pflaster: das Narrenschiff von Jürgen Weber, nach der Moralsatire von Sebastian Brant aus dem Jahr 1494. Eigentlich war es als Brunnen gedacht, aber Wasser hat es nie bekommen – es steht bis heute trocken da.

Am Hauptmarkt ist Markttag. Vor der Frauenkirche stehen die Stände, und in der Ecke ragt der Schöne Brunnen auf, eine gotische Turmspitze aus Stein, bunt bemalt und golden verziert. Im Gitter drumherum hängt ein Messingring – wer ihn dreht, dem soll ein Wunsch in Erfüllung gehen.

Weiter geht es an St. Sebald und am Alten Rathaus vorbei, dessen prächtige Portale kaum ahnen lassen, dass darunter die mittelalterlichen Lochgefängnisse liegen. Dann geht es bergauf – und zwar richtig.

Oben thront die Kaiserburg auf ihrem Sandsteinfelsen, das Wahrzeichen der Stadt. Ich laufe an der Kaiserstallung vorbei, einem riesigen alten Getreidespeicher, und durch die Tore hinauf in den Burghof mit dem runden Sinwellturm. Von der Freiung aus liegt mir die ganze Stadt zu Füßen: ein Meer aus roten Dächern, dazwischen die Doppeltürme von St. Sebald und St. Lorenz.

Unterhalb der Burg öffnet sich der Tiergärtnertorplatz. Fachwerk, so weit das Auge reicht: das Pilatushaus, der Tiergärtnertorturm und nur ein paar Schritte weiter das Albrecht-Dürer-Haus, in dem der Maler bis zu seinem Tod 1528 wohnte. Mitten auf dem Platz sitzt ein riesiger Bronzehase – eine eher schräge Hommage an Dürers berühmten Feldhasen.

Durch das Tor und den Burggraben laufe ich hinunter in die Weißgerbergasse. Hier wohnten früher die Weißgerber, und die Reihe ihrer Fachwerkhäuser gilt als eine der schönsten der Stadt. Rote, gelbe und rosa Fassaden, Holzbalken, kleine Treppen zum Wasser.

An der Pegnitz wird es wieder spannend: Der Kettensteg von 1824 gilt als die älteste erhaltene eiserne Kettenbrücke Europas. Weil er anfangs zu stark schwankte, bekam er später Stützen darunter. Gleich daneben steht der Schlayerturm, ein Turm der alten Stadtmauer direkt am Fluss.

Ein Stück flussabwärts führt der überdachte Henkersteg über die Pegnitz. Hier wohnte bis ins 19. Jahrhundert der Nürnberger Henker – ein Mann, mit dem niemand gern Tür an Tür leben wollte. Heute ist im Henkerhaus eine Ausstellung zur Rechtsgeschichte. Gegenüber spiegeln sich der Wasserturm und der Weinstadel, früher ein Siechenhaus für Aussätzige und später Weinlager, im stillen Wasser.

Zurück in Richtung Königstraße komme ich an der Mauthalle vorbei. Der mächtige Bau mit dem steilen Dach entstand um 1500 als Kornspeicher, später wurden hier Waren aus aller Welt verzollt und gewogen.

Am Frauentorturm, einem der großen runden Türme der Stadtmauer, liegt der Handwerkerhof. Die kleinen Fachwerkhäuser wurden 1971 zum 500. Geburtstag von Albrecht Dürer eingerichtet – eigentlich nur auf Zeit, aber sie sind geblieben. Heute gibt es hier Lebkuchen, Kunsthandwerk und Bratwürste.

Direkt gegenüber liegt der Hauptbahnhof, und damit ist meine Runde zu Ende. Nürnbergs Altstadt ist kompakt genug, um sie an einem Vormittag zu erlaufen – und doch so voller Ecken, dass ich an fast jeder zweiten stehen bleibe.

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